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Altes-Rathaus, 09.09.2007. "Auch bei der Auswahl einer hochkarĂ€tigen Solistin fĂŒr das Eröffnungskonzert haben die Veranstalter eine glĂŒckliche Hand bewiesen, denn Birgitta Wollenweber gelang es, das neue Instrument dem Publikum in jeder Hinsicht nahe zu bringen", heißt es in den WestfĂ€lischen Nachrichten.

Die Konzertantin ist Professorin fĂŒr Klavier an der Berliner Musikhochschule und mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. So ist natĂŒrlich Ludwig van Beethovens „Mondscheinsonate“ nicht unbedingt eine Herausforderung fĂŒr sie, aber gespielt werden will sie auch. Den letzten Satz „Presto agitato“ ging sie in einem so hohen Tempo an, dass sich manch fachkundiger Zuhörer im vollbesetzten Saal so seine Sorgen machte. Aber die waren unnötig. Der Ruf der VirtuositĂ€t, der ihr vorauseilt, war schnell bestĂ€tigt: Sie kann jedes Tempo gehen.


Der erste Satz war gekennzeichnet durch eine sehr musikalische Gliederung der Phrasen, wobei man sich die leisen Passagen wohl noch leiser gewĂŒnscht hĂ€tte. Aber bei einem fremden, neuen FlĂŒgel ist das ein Risiko, das man nicht unbedingt gewillt ist einzugehen.

Anschließend flossen ihr Impromtus op. 90 D 899 Nr. 2 Allegro und Nr. 4 Allegretto von Franz Schubert förmlich aus den HĂ€nden. Ruhiger Spielfluss, kleine Bewegungen der Finger und alles bis ins Detail ausgefeilt. Eine wirklich mitreißende Darbietung. Zudem ist das Allegro geeignet, die hohe Lage des Instrumentes zu demonstrieren.

Die tiefen Töne kommen dann im „Erlkönig“ aus „Transkriptionen ĂŒber Lieder von Franz Schubert“ von Franz Liszt zur Geltung. Eine kluge Programmwahl.

Die EtĂŒden 1 bis 12 op. 10 von FrĂ©deric Chopin ließen die Solistin noch ein Mal ĂŒber die gesamte Klaviatur gehen, wobei die Frage erlaubt ist, ob man wirklich alle EtĂŒden in einem Konzert spielen muss.

Nicht Jedermanns Geschmack ist die avantgardistische Musik von Alberto Ginastera (gest. 1983). Es sei denn, sie wird von Birgitta Wollenweber gespielt. Ihre Interpretation lÀsst dieses Werk zu einem Genuss werden.

Auch der Steinway-FlĂŒgel klingt hervorragend, ein dem Raum sehr gut angepasstes Instrument. Das Publikum spendete reichlich Beifall und wird mit drei kurzen, effektvollen Zugaben belohnt.

von Reimund Schnaars  (WestfÀlische Nachrichten, Montag, 11.09.2007)