St. Brictius, 03.01.2016. Mit Vivaldi, Bach und Manfredini das neue Jahr begrüßen: Auf eine musikalische Zeitreise in die opulente Ära des Barocks haben sich am Sonntagabend unzählige Klassikliebhaber entführen lassen.

Peter Mönkediek und Peter Roth brillierten an Trompeten und Hörnern, begleitet von Markus Lehnert am Cembalo und Streichern des münsterischen Kourion-Orchesters.

 

„Am liebsten möchte ich nach jedem StĂĽck klatschen“, flĂĽstert eine Dame im Publikum vor Begeisterung. Doch die Musiker hatten vorab um Geduld gebeten: Applaus bitte erst zum Ende des Konzertes. Das traditionelle Neujahrskonzert in der St.-Brictius-Kirche ist längst kein Geheimtipp mehr, und auch ein guter Moment, innezuhalten und sich verzaubern zu lassen von der festlichen Atmosphäre nachweihnachtlichen Glanzes und der FĂĽlle der Musik an diesem historischen Ort. 

Mönkediek und Roth, beide Trompeter beim WDR-Sinfonieorchester Köln, und Markus Lehnert, virtuoser Orgelspieler, haben in den vergangenen Jahren als musikalisches Trio zu den Neujahrskonzerten bereits zu begeistern gewusst. Nun hat der Freundeskreis Schöppinger Konzerte ein Streicherquartett hinzugeladen und so das Repertoire des Abends vielfältig erweitern können.

Heiter und beschwingt beginnt das erste Stück: Die „Sinfonia in d“ von Johann Christoph Friedrich Bach (1732-1795). Der Bückeburger Konzertmeister war einer von vier Söhnen Johann Sebastian Bachs. Zarte Violinen erklingen zu dunklen Cellotönen und einem tänzelnden Cembalorhythmus. Ein „Concerto in C“ schrieb Antonio Vivaldi ((1679-1741) für zwei Trompeten, Streichorchester und ein Cembalo. Im Duett erschallen die Fanfarenklänge klar und hell. Das hohe Gewölbe der Kirchenkuppel unterstützt mit imposanter Akustik. Johann Sebastian Bach (1685-1750) komponierte ein Cembalokonzert – flink versetzt das historische Tasteninstrument das Publikum gedanklich in die Zeit prächtiger Kleider und üppiger Feste. Andante: Beinahe sieht der Zuhörer einen langsam schreitenden Prozessionszug vor seinem inneren Auge und dann – Allegro assai! – wechselt der Takt in einen schnellen fröhlichen Schritt.

Mit dem Horn bläst der Jäger Signal. Und auch zum Konzert erschallt sein tiefer Klang. Mit drei weihnachtlich alpenländischen Weisen vom „Hirtenlandler“, „Kalt, kalt“ und „Zwoa Sternderl am Himmel“ bringen Mönkediek und Roth fröhliches bayrisches Flair in das Westmünsterland; das Cembalo spielt vergnügt dazu.

Zum Ende darf endlich applaudiert werden: Mit stehenden Ovationen belohnt das Publikum die sieben Musiker.

Quelle: Westfälische Nachrichten, 05.01.2016, Sabine Sitte