Altes Rathaus, 22.03.2014. Im Alten Rathaus in Schöppingen bekamen am Samstag talentierte Nachwuchsmusiker die Chance, ihren Beitrag beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Essen unter „live“-Bedingungen zu proben.

Auch Lampenfieber will gelernt sein – der Umgang damit. Denn natürlich gehört die Aufregung dazu, wenn sich Künstler dem Urteil ihres Publikums stellen. Wie groß muss aber das Lampenfieber erst sein, wenn da nicht einfach ein Publikum sitzt, sondern eine Jury aus Fachleuten, die jeden kleinsten Fehler heraushören, die auf Details achten, die dem musikbegeisterten, breiten Publikum entgehen? Im Alten Rathaus in Schöppingen bekamen am Samstag talentierte Nachwuchsmusiker die Chance, ihren Beitrag beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Essen unter „live“-Bedingungen zu proben.

 

In der Kategorie Solo Klavier geht heute in Essen der Münsteraner Matthias Krack an den Start. Der 19-jährige Abiturient weiß bereits, dass er Klavier studieren möchte. Dass das eine gute Idee ist, davon konnten sich die Gäste am Samstag überzeugen: Bachs Präludium und Fuge in Fis-Dur, Beethovens Sonate in D, op. 28 sowie Liszts Transcendentale Etüde 10 bot er souverän dar. Die technisch hoch anspruchsvollen Stücke ließen erkennen, dass hier einer am Flügel saß, der an sich arbeitet. Auch die Entscheidung, den Ablauf zu ändern und Arnold Schönbergs Klavierstücke op. 11 vor dem gefälligeren Liszt zu spielen, muss als klug angesehen werden, denn Schönbergs wegweisende, atonale Kompositionen sind im breiten Publikum nicht jedermanns Sache. In Essen dürfte Matthias Krack damit aber punkten, zumal er auch hier technisch absolut überzeugte.

Doppelten Grund zur Freude hatte Felix Zhang. Er feierte am Samstag 14. Geburtstag und konnte unter anderem mit der Arie des Pollicino ĂĽberzeugen. Begleitet von Boy David Mackenroth aus Altenberge startet er heute in Altersklasse III im Solo Gesang.

Zur Auswahl der Stücke muss auch den anderen Akteuren gratuliert werden: Annabel Schirrmeister aus Münster, die in Altersklasse VI im Fach Solo Gesang antritt, hatte Lieder von Vivaldi, Haydn, Bartók und Max Reger ausgewählt, die ihrer warmen Stimmfärbung entgegenkommen. Außerdem überzeugte ihre Präsentation durch ein stetes, freudiges Strahlen, das den Scherz und das Augenzwinkern in einigen der Lieder noch unterstrich. Als offenkundig besonders harmonisch erwies sich auch das Zusammenspiel mit der Schöppingerin Sonja Tummel, die sie am Klavier begleitete.

Sonjas Schwester Ronja, die in der Altersklasse V am Klavier in den Wettbewerb geht, erwies sich als so temperamentvolle wie hoch konzentrierte Nachwuchspianistin. Auch ihr muss zur Wahl der Stücke gratuliert werden: Die Danzas Argentinas von Alberto Ginastera passen perfekt zu ihrem Spiel und ihrer Ausstrahlung. Sie tritt morgen in Essen an – man darf gespannt sein.

(Quelle: Westfälische Nachrichten, 24.03.2014, Christiane Nitsche)