Altes Rathaus, 15.03.2012.  Warum die Leute in Opern eigentlich immer so komisch singen, erfuhren die Mädchen und Jungen nun bei einem Konzert im Alten Rathaus. Danach erlebten sie AuszĂĽge aus Mozarts „Zauberflöte“ – präsentiert von der Sopranistin Heide Bertram, dem Bariton Arndt Winkelmann und der Pianistin Beatrice Wuschka-Winkelmann.

Sänger, ein Orchester, eine Bühne, Scheinwerfer, Kostüme, einen Dirigenten und einen Vorhang: Was man für eine richtige Oper alles braucht, wussten die jungen Zuhörer beim Schülerkonzert am gestrigen Donnerstag im Alten Rathaus schon sehr genau. Das Orchester bestand zwar an diesem Tag nur aus einem Flügel, und an dem saß die Dirigentin. Auch der Vorhang und die Bühne fehlten. Die Mädchen und Jungen waren von der Vorstellung trotzdem restlos begeistert.


Auf dem gut einstündigen Programm standen Auszüge aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“. Die kannten die rund 120 Kinder, aufgeteilt in zwei Gruppen, schon aus dem Musikunterricht. Und so schnellten denn auch alle Finger in die Höhe, als Gesangspädagogin und Sopranistin Heide Bertram aus Steinfurt nach den verschiedenen Rollen und der Geschichte der „Zauberflöte“ fragte.

Was die Kinder der Grund- und der Verbundschule allerdings nicht wussten: Warum die Leute bei einer Oper eigentlich immer so komisch singen. „Als Mozart das Werk schrieb, gab es noch keine Mikrofone und keine Lautsprecher. Da musste man so singen, dass auch die Zuhörer in der letzten Reihe noch alles verstehen“, erklärte der Bariton Arndt Winkelmann aus Laer. Das nenne man Belcanto. „Und das üben wir jetzt gemeinsam!“ Erst ein wenig zaghaft, später dann mit lauter Stimme probierten sich die Schüler im Singen. „Das macht ihr prima“, lobte Heide Bertram.

Nach dem ersten Aufwärmen ging es dann richtig los: Die beiden Künstler präsentierten Arien und Duette aus der mozartischen Oper. Sopranistin Bertram verkörperte bei der Aufführung gleich drei Figuren – Pamina, Papadina und die Königin der Nacht – und wechselte zwischen ihren Auftritten immer wieder die Kostüme. Ihr Kollege Arndt Winkelmann gab zugleich den Sarastro und den Papageno. Und die Kinder übernahmen einen Part des Chores. Ein Schüler jeder Gruppe bekam zudem eine besondere Rolle: die des Tamino, der in der gezeigten Szene aber zum Schweigen verurteilt war.

Die SchĂĽler waren sichtlich beeindruckt und bedankten sich am Ende mit einem langen Applaus.

„Ich fand es am besten, als die Königin der Nacht gesungen hat“, meint Lotta, neun Jahre alt. Und ihr Klassenkamerad Nico fand den Gesang überhaupt viel schöner als auf der CD: „Man konnte die Stimmen besser hören.“ Ob er noch einmal ein Konzert besuchen würde? „Ja!“

Das dürfte auch die Organisatoren vom Freundeskreis Schöppinger Konzerte freuen. Denn deren Ziel ist es, über die Veranstaltung den Nachwuchs an die klassische Musik heranzuführen. „Wenn ihr noch einmal wiederkommen möchtet: Der Eintritt zu all unseren Konzerten im Rathaus und in der Kirche ist für Schüler frei“, warb Maria Niehoff. Vielleicht hat sich ja das ein oder andere Kind begeistern lassen – und ist beim nächsten Mal dabei.

(Quelle: Westfälische Nachrichten, 16.3.2012, Anne Alichmann)